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diumenge, 30 de desembre de 2012

DIE NACHT IN BADEN-BADEN (Zusammenfassung I)

                                     Daniel Buren an der Kunsthalle Baden-Baden


1.- ...Er nahm Therese mit...
Er nahm Therese mit, weil sie sich darüber freute. Es war die Premiere seines ersten Stücks. Er sollte in der Loge sitzen und am Schluss auf die Bühne kommen und sich mit den Schauspielern und dem Regiseur beklatschen oder ausbuhen lassen.
Therese hatte das Stück nicht gelesen und freute sich unbefangen über seinen Erfolg.
Danach gingen sie beschwingt zurück ins Hotel. Er bestellte eine halbe Flasche Champagner, sie setzten sich im Pyjama aufs Sofa, und er liess den Korken knallen...
Als der Champagner zu Ende war, gingen sie ins Bett und drehten einander nach einem flüchtigen Kuss den Rücken zu.
Am nächsten Tag besuchten sie in Baden-Baden die Kunsthalle, machten bei einem Winzer halt und gingen in Heidelberg aufs Schloss.
Nichts, wie er am Abend zu Hause feststellte. Seine Freundin Anne hatte ihm keine Nachricht hinterlassen.
Er rief sie an. Es tue ihm leid, dass er sie am Abend nicht aus den Hotel habe anrufen können.
.- ...Du hast mir gefehlt...
.- ...Du mir auch.
.- Wann kommst du?
.- Ich versuche am übernächsten Wochenende zu kommen.
.- Du klingst anders...
.- Anders?
.- Anders als sonst. Was stimmt nicht?
.- Alles stimmt..!
2.- ...sie blieb misstrauisch...
Er hatte ein schlechtes Gewisen. Er hatte Anne angelogen, und war froh , dass das Telefongespräch mit ihr vorbei war. Was er Anne verschwieg , musste er ihr verschweigen, weil sie darauf übertrieben eifersüchtig reagieren würde.
Anne hatte in Amsterdam eine Wohnung und einen Lehrauftrag, von dem sie nicht leben, den sie aber jederzeit ruhen lassen konnte, um in England oder Amerika oder Kanada oder Australien oder Neuseeland zu unterrichten. Ein gutes Drittel des Jahres verbrachten sie gemeinsam.
Für den Rest des Jahres war Annes Leben unstet. Sie war eine entschlossen zupackende Frau, und als er sie das erste Mal sah, sah er diesen Gesicht mit den vielen Sommersprossen und das rotblonde Haar und mochte sie sofort. Sosehr sie sich nach einander sehnten, so schön sie es miteinander hatten –sie hatten zerstörerische Auseinandersetzungen, aber die Wunden der Auseinandersetzungen heilten rascher als die Schmerzen der Sehnsucht.
Er flog am Freitag. Das College hatte Anne eine kleine, zweistöckige Wohnung in Oxford überlassen. Er hatte einen Schlüssel, schloss auf, ging hinein und fand sie am Schreibtisch. Eine halbe Stunde später machten sie einen Spaziergang.
Lange redete keiner von beiden. Dann fragte Anne:  Mit wem warst du in Baden-Baden?
.- Wie kommst du darauf dass ich ...
.- Warum hast du mir nicht gesagt, dass du in Brenner’s Park Hotel abgestiegen bist?
.- Ich habe es vergessen...
.- Warum lügst du mich an?
.- Ich lüge dich nicht an.
.- ...
Aber sie blieb misstrauisch...
In der Wohnung, mitten in der Nacht wachte er von Annes Weinen auf.
.- ... Anne ...
.- Ich muss die Wahrheit wissen, immer. Ich kann nicht mit Lügen leben. Mein Vater hat meine Mutter belogen, und er hat sie betrogen, und er hat meinem Bruder und mir Versprechungen über Versprechungen gemacht, die er nicht gehalten hat. Wenn ich ihn gefragt habe, warum, wurde er wütend und hat mich angeschrien. Meine ganze Kindheit hatte ich keinen sicheren Boden unter den Füssen...
.- Es ist alles gut, Anne. Ich verstehe dich. Du musst nicht mehr weinen. Ich verspreche dir, die Wahrheit zu sagen.
3.- ...ich möchte ein Kind...
Drei Wochen später fuhren sie in die Provence. In Cucuron fanden sie am Markplatz ein billiges, altes Hotel.
In einem Nachmittag sassen sie auf der Loggia, die Laptops vor sich und sie sagte:
.- ... Ich möchte ein Kind ...
Er stand auf, ging zu ihr, hockte sich neben ihren Stuhl und lächelte sie an:
.- Das lässt sich machen.
Ein paar Tage später gingen sie am Nachmittag ins Bett und liebten sich und schliefen ein. Als er aufwachte, war Anne weg. Auf einem Zettel las er, dass sie losgefahren war und in Aix in der Bibliothek nach ihren E-Mails sah. Das war um vier. Um acht war er besorgt. Um neun hielt er es in der Wohnung nicht mehr aus und ging zum Dorfteich, an dem sie ihr Auto parkten.
Es stand, wo es immer stand. Er sah sich um und sah Anne; sie sass an einem Tisch vor der Bar de l’Étang.
.- Was ist los? Ich habe mir Sorgen gemacht.
.- Du warst mit Therese in Baden-Baden. Ich habe deine E-Mails gelesen. Die Bestellung des Doppelzimmers. Die Verabredung mit Therese. Den Gruss danach...
.- Du hast in meinen E-Mails spioniert?
.- Du bist ein Lügner, ein Betrüger.. Warum hast du mit ihr geschlafen?
.- Ich habe nicht mit ihr geschlafen.
.- Du Schwätzer, du Ficker, du Dreck, du...
.- Kann ich was sagen?
.- Du Dreck, du Arsch, du Nichts..!
.- Es tut mir leid.
.- Fick dich selbst mit deinen Lügen!  Sie stand auf und ging.
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Das ist das Ende des ersten Teils der Zusammenfassung über „Die Nacht in Baden-Baden“ ( Sommerlügen von Bernhard Schlink, Geschichten, Diogenes Verlag AG Zürich 2012)